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Melancholische Zeiten

Melancholie... irgendwie meinem Namen ja ziemlich ähnlich. Melanie bedeutet übrigens "Die Dunkle" oder "Die Schwarze" - wie passend.

Der Herbst kommt und drückt mir mal wieder so richtig schön auf die Stimmung. Darum gibts heute von mir nochmal eine kleine Geschichte, die nicht ganz so fröhlich ist... aber ich verspreche:  Demnächst gibt es hier auch mal was lustiges zu lesen.

 

Sie ist eine Seiltänzerin. Sie tanzt gerne. Tanzen, das ist Bewegung. Tanzen ist Musik. Tanzen – die absolute Leere im Kopf. Eins mit der Bewegung. Eins mit der Musik.

 Aber das reicht ihr nicht. Tanzen allein, das ist ihr nicht genug. Sie tanzt ihren Tanz in luftiger Höhe mit dem Wissen, jederzeit fallen zu können.

 Fallen. Der freie Fall in eine nahezu unendliche Tiefe. Fallen. Ist Fallen nicht auch eine Form des Fliegens?

 Sie würde gerne fliegen können. Ihre Flügel ausbreiten und schweben. Denn schweben- das ist die wirkliche Freiheit.

 Sie kann nicht fliegen. Sie kann auch nicht schweben. Sie ist nicht frei. Sie tanzt ihren Tanz auf dem Seil hoch oben.

 Ein falscher Schritt, eine falsche Bewegung und es folgt der tiefe Fall.

 Sie möchte so gerne wild tanzen in der luftigen Höhe. Sie möchte sich drehen und mit ihren Armen nach den Sternen greifen.

 Aber sie ist unsicher. Sie wagt sich nur in kleinen Schritten voran auf dem dünnen Seil.

 Durch die Bewegung des Seils fühlt es sich an, als würde die Welt schwanken. Sie klammert sich an eine Balancestange und versucht, ihre Schritte zu stabilisieren.

 Eine Balancestange… Balance. Stabilität. Ausgeglichenheit.

 Sie kommt nur voran, wenn sie ausgeglichen ist. Sie braucht innere Ruhe. Absolute Stille.Sie atmet tief ein und aus. Atmen. Luft für unseren Körper. Luft fürs Gehirn. Wir brauchen die Luft um zu denken.

 Aber denkt sie nicht schon viel zu viel

Sie denkt ans Fallen. An den Sturz in die Tiefe. Sie kommt aus dem Gleichgewicht. Sie kann sich nicht mehr halten auf dem Seil.

 Sie fällt. Einen Moment lang glaubt zu sie zu fliegen… zu schweben… Freiheit im Kopf… Musik… tanzen… der Aufprall… Stille. 

 

8.10.14 08:38


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Heute gibt es von mir eine kleine Geschichte. Okay, auch ich hab mal meinen Moralischen. Dann lass ich auch schon mal Freunde sterben. Jetzt kommt mir aber keiner mit "Midlife-Crises" - soooo weit ist es noch nicht. Nein, ich finde, man darf sich durchaus auch mal reflektieren. Warum nicht auch mal so?

 

Heute fällt es mir gar nicht mehr so leicht. Meine Hände zittern, als ich das alte Tor öffne. An mir huscht eine junge Frau leichten Schrittes vorbei. Jaja. Waren das noch Zeiten.

Ich erinnere mich noch gut an früher. Früher habe ich mit meinen Freunden immer Witze über „den Rolator“ gemacht. Heute ist er mein ständiger Begleiter. Es fällt mir schwer, lange Strecken zu laufen. Meine Beine sind müde von den vielen langen Wegen, die sie laufen mussten. Aber ich habe das Joggen nun mal geliebt!

Hinter mir fällt das Tor wieder ins Schloss und holt mich aus meinen Gedanken zurück in die Realität.

Ich gehe den langen Weg runter bis zu dem alten Baum und werde traurig. Mit jedem Schritt ein kleines bißchen mehr. Bis ich vor seinem Grabstein stehe.

An die digitale Schrift auf den Marmorsteinen werde ich mich wohl nie gewöhnen. „Das immer alles leuchten und blinken muss. Aber du – ja du, mein alter Freund, du hast die Technik immer gemocht – nur die Handys nicht. Du hast immer mit deiner Taschentücherpackung telefoniert.“ Bei dem Gedanken daran muss ich lachen.

Ich trete einen Schritt näher an Dein Grab.

„Ich bin froh und dankbar, dass ich eines meiner wichtigsten Lebensziele erreicht habe. Mit Dir ein Leben lang befreundet zu bleiben. Wir haben es tatsächlich geschafft. Wir waren nicht immer einer Meinung, aber wir haben so viel miteinander gelacht, so viele Krisen durchgemacht. Du warst einer meiner besten Freunde.“

Meine Freunde waren immer das Wichtigste in meinem Leben. Freunde - das ist die Familie, die man sich aussucht.

„Die vielen Abende, die wir zusammen verbracht haben. Mein Gott, waren wir bescheuert. Ach nein… wir waren "bizarr". Das war unser Wort. Und Du, mein Freund, Du hast es geprägt. Du hast die Bizarrilität gesprengt.“

Der Wind bläst mir eine meiner blauen Haarsträhnen ins Gesicht. Mit meinen bunten Haaren war ich damals wirklich noch was ganz Besonderes. Doch dann kamen Zeiten, in denen es immer normaler wurde. Trotzdem habe ich mir immer eingebildet, dass ich diesen Trend entscheidend mit geprägt habe.

Aber auch dieses Lebensziel habe ich erreicht: Egal, wie alt ich bin – meine Haare bleiben bunt!

 Früher habe ich immer gedacht, es sei das höchste Lebensziel, etwas zu erreichen. Erfolg im Beruf, eine gute Mutter zu sein, natürlich schlank und sportlich und dann noch immer alles richtig machen.

Mein Perfektionismus hätte mich beinahe ins Grab gebracht.

Ich bin froh, dass ich irgendwann gelernt habe, dass es im Leben nicht darauf ankommt, immer die Beste zu sein, jedem gerecht zu werden und sich ständig zu vergleichen.

Aber ich habe mein Buch geschrieben. Das erfüllt mich mit Stolz. Mein Werk hatte zwar keinen durchschlagenden Erfolg, aber es wurde gedruckt, trägt meinen Namen, und so wird immer ein Stück von mir weiterleben.

Ich weiß noch genau, wie stolz meine Kinder damals waren.  Jaja, die Jungs – oft war es wirklich sehr anstrengend mit ihnen. Ich wollte doch immer nur das Beste für sie. Sie sollten es so viel besser haben als ich.

Sie haben alle ihren Weg gefunden. Jeder auf seine Art und Weise. Und ich freue mich, dass sie mich noch immer regelmäßig besuchen kommen. Ich habe meine Enkel gern um mich herum.

Inzwischen habe ich auch die nötige Zeit dafür. Bis vor ein paar Jahren war ich viel auf Reisen. Ich wollte die ganze Welt sehen. Ich habe die Pyramiden berührt, habe mir Irland angeschaut. Der Trip durch die USA war eindrucksvoll, wenn auch etwas überladen.

Die Reisen zum Mond sind leider immer zu teuer gewesen und jetzt, mit 92 Jahren, ist es einfach zu spät dafür. Auch, wenn ich die Erde gern mal von außen gesehen hätte.

„So, mein lieber. Und Deine Comics bereichern heute noch die Welt. Dabei hast Du nie an Dich geglaubt. Ich habe einige Bilder von Dir noch heute gerahmt in meinem Wohnzimmer hängen. Ich habe immer an Dich und Deine Fähigkeiten geglaubt. Ich war so froh, als Du mir geholfen hast, mein Buch zu illustrieren“

Wenn man so alt ist, wie ich es bin, dann blickt man zurück und sieht all das, was hinter einem liegt. Man ist viele Wege gegangen. Musste Entscheidungen treffen, die nicht immer die richtigen waren – und trotzdem hat jede Entscheidung Dinge nach sich gezogen, die toll waren und die so nie entstanden wären, hätte man nicht auch mal eine dumme Entscheidung getroffen.

Hätte ich jetzt nochmal die Möglichkeit, wieder jung zu sein – ich würde einiges anders machen. Ich würde viel mehr leben. Ich würde mir erlauben, Fehler zu machen und drüber zu lachen. Ich würde das Leben nicht ganz so verbissen sehen.

Ich würde die Tage alle mit einem Lächeln beginnen und mich an den schönen Dingen erfreuen, statt mich ständig über das zu ärgern, was gerade nicht so rund läuft.

Ich würde meinem jüngeren Ich gerne sagen, dass die Last auf den Schultern gar nicht so schwer wiegt und eigentlich nur im eigenen Kopf existiert.

„Ohne diese Last kannst du viel schneller laufen, mein Kind“, würde ich ihr sagen. „Du denkst zu viel – lass dich einfach treiben. Leb‘ Dein Leben und tanze“

„Nun mein Freund – ich werde nun wieder gehen. Es ist schon spät. Du fehlst mir sehr. Du fehlst vielen Menschen. Ich bin mir aber sicher, dass wir uns alle irgendwann wiedersehen und dann – dann geht es weiter“

2.10.14 19:59


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